Gewöhnlich versteht man unter fairem Handel einen kontrollierten Güteraustausch von Naturprodukten wie Kaffee oder Bananen. Die Erzeuger erhalten dabei von der Fairtrade-Organisation einen festgelegten Mindestpreis – so ist den Produzenten auch bei niedrigen Marktpreisen ein verlässliches Einkommen sicher. Zudem werden Extra-Prämien bezahlt, um Sozialprojekte zu fördern. Diese Regelung gilt in der Regel jedoch nur für Bauern und Plantagenarbeiter. Wie aber sieht es in den Produktionsbetrieben aus? Gibt es für die Arbeiter in den Nähereien, wo die Fairtrade-Baumwolle verarbeitet wird, vergleichbare Absicherungen und Prämiensysteme? Was die Arbeitsbedingungen und die Einhaltung von Mindestlöhnen angeht – ja. Ein Prämiensystem existiert jedoch noch nicht in allen Bereichen. Genau an dieser Stelle hat Ethletic sich zum Ziel gesetzt, Vorkämpfer für die sozialen Belange der Produktionsmitabeiter zu sein.

Die Welfare Society der Ethletic-Manufaktur

Mindestlohn und Arbeitsschutz bilden die Basis. Doch wir wollen noch weiter gehen. Wir wünschen uns, dass die Mitarbeiter in unserer Manufaktur auch einen positiven Bezug zu ihren Kunden aus dem nicht immer positiv besetzten „Westen“ herstellen können. Dieses Ziel erreichen wir, indem wir den Arbeitern eine Stimme in ihren Betrieben geben und die Gemeinschaftsprojekte der Mitarbeiter durch Prämien fördern.

Wichtig ist uns, dass die Mitarbeiter über die für sie wichtigen Zwecke frei entscheiden.

Ganz konkret bezahlt Ethletic zwei Rechnungen für seine Aufträge beim Produzenten. Eine Rechnung wird normal vom Produktionsunternehmen über die zu liefernden Ware gestellt. Eine weitere Rechnung bekommt Ethletic von der Welfare Society der Mitarbeiter. Diese Rechnung beträgt 15 Prozent des Warenwertes. Soll heißen: Bei einer Bestellung mit einem Warenwert von 100.000 Euro bezahlt Ethletic 115.000 Euro. Nämlich 100.000 Euro and den Lieferanten und 15.000 Euro für die Gemeinschaftsprojekte. Dies ist eine freiwillige Leistung, zu der wir durch keines unserer Siegel „gezwungen“ werden.

Die Prämie wird von den Mitarbeitern, vertreten durch den sogenannten Joint Body (das gewählte Gremium), für soziale Maßnahmen eingesetzt. Derzeit werden sowohl Krankenversicherungen, Artztbesuche und Krankenhausaufenthalte als auch Schulmittel für die Kinder sowie Trinkwasseranlagen durch diese Mittel finanziert. Wichtig ist uns, dass die Mitarbeiter über die für sie wichtigen Zwecke frei entscheiden.

Wer sind eigentlich die Menschen in der Fabrik?
Liebend gern würden wir alle unsere Kunden mitnehmen in die Manufaktur, damit sie unsere Mitarbeiter kennenlernen könnten. Wir wissen: Aus der Ferne, auf den Bildern und in den Videos, die wir regelmäßig posten, erscheint alles so andersartig und fremd – wie aus einer anderen Welt. Wenn wir jedoch mit den Kollegen vor Ort zusammenarbeiten, dann erscheint uns inzwischen alles wie zu Hause.
Gemeinsam entwickeln wir Zukunftsvisionen und arbeiten im Team daran, sie zu verwirklichen. Die gemeinsame Begeisterung und das Teilen von Erfolgen (und auch Rückschlägen) lässt vergessen, welche Nationalität, Religion und welches Geschlecht die Mitglieder des Teams haben. Wir wünschen uns, dieses verbindende Gefühl mit vielen Menschen von „hier“ zu teilen.

Wir möchten die Menschen kennen, die unsere Produkte herstellen. Denn nur wenn wir sie kennen – und sie uns! – können wir gemeinsam an Visionen arbeiten und unseren Wissensvorsprung in den Bereichen soziale Marktwirtschaft, Technik, Umwelt- und Arbeitsschutz auf Augenhöhe vermitteln. Wir zeigen unseren Mitarbeitern, dass wir an ihrer Seite stehen. Wir betonen jedoch auch, dass wir uns gemeinsam anstrengen müssen, um den hohen Erwartungen unserer Kunden gerecht zu werden. Dieser Prozess ist mitunter mühsam – für beide Seiten, da das Verständnis für die Belange des Anderen nicht immer auf Anhieb vorhanden ist. Doch wir gehen diesen Weg aus voller Überzeugung und das bisher Erreichte gibt uns das gute Gefühl, mit unserer Art des Fairen Handels in die richtige Richtung zu gehen. Und dabei bleiben wir.

Warum welche Zertifikate?

Viele Organisationen und deren Siegel verbürgen sich inzwischen für die Gewährleistung anständiger Produktionsbedingungen in den Betrieben – eine sehr positive Entwicklung. Wir finden jedoch, dass nicht allein die Arbeitsbedingungen im Fokus stehen sollten, sondern auch die Frage nach Möglichkeiten zur Verbesserung der sozialen Lebensumstände der Mitarbeiter. Aus diesem Grunde hat Ethletic bereits vor Jahren die „Workers Welfare Society“ ins Leben gerufen.
Neben dem Engagement unserer eigenen Organisation sind unsere Betriebe zertifiziert nach: BSCI, FLO, GOTS, FSC.

Viele Verbraucher ahnen nicht, dass jedes Siegel für die teilnehmenden Betriebe einen erheblichen bürokratischen Aufwand (etwa für die Auditierungen) und eine finanzielle Belastung (über fällige Gebühren) bedeutet. Daher bleiben viele motivierte Betriebe außen vor, da sie die Kosten einer Zertifizierung durch die Siegelorganisationen nicht leisten können.
Wir von Ethletic würden die Einführung weltweit einheitlicher Standards begrüßen, um die Belastungen durch das Halten mehrer unterschiedlicher Siegel für die Betriebe zu minimieren. Der Kreis derer, die in den Genuss der sozialen Mindeststandards kämen, würde sich durch die Einführung eines einheitlichen Siegels für ethische und nachhaltige Produktionsstätten weltweit stark vergrößern.

Die Forderung nach solchen Standards kann nur von uns, den Konsumenten, kommen. Bei uns liegt die Verantwortung dafür, bei der Aufmerksamkeit für einen fairen, ethisch korrekten Handel nicht nachzulassen.